Zurichtung zur "Weiblichkeit" durch Ärzte
Über die für Obrigkeiten stark vereinfachte leichtere Manipulation der Menschen in der fixen patriarchalischen Geschlechterrollenideologie dürfte es eine Art von Geheimwissen geben. Ist eine sexuell eher aktiv begehrende (dominant geprägte) Frau wie ich deswegen so gefährdet, weil sie gefährlich für dieses Lügensystem ist? Es ist nach allem, was ich persönlich erlebt, aber auch bei anderen beobachtet habe, zu vermuten.
Dieser Text wird hoffentlich - auch - eine gelungene Rache an dieser Art von sehr verlogenen Patriarchen, und ihren fiesen Strategien, Frauen wie mich schon in der Jugend als "Andersartige" in den (sexuellen?) Griff zu bekommen. Wo käme dieses gottverdammte Scheißpatriarchat auch hin, wenn echtes weibliches Selbstbewußtsein Schule machen würde? Es gibt dazu einen ”Spruch”, den ich in Klagenfurt während meiner Jugendzeit oft und oft hörte: ”Mädchen, die pfeifen, und Hühnern, die krähen, sollst du beizeiten die Hälse umdrehen.” Sprich: Frau, wage es ja nicht, zur angeblich rein männlichen Dominanz zu greifen. Wir bringen dich um.
Genau so war es. Auch außerhalb meines Elternhauses. Von Klagenfurter ”Elite”ärzten (Vaters Freunden) zum Beispiel wurde ich noch in meiner späteren Jugend de facto fast umgebracht. Es ist ein kleines Wunder, daß ich rein körperlich noch lebe. Das ist bittere Wahrheit, ohne jede Übertreibung. Mit sechzehn verletzte mich ein Junge in Ferlach mit einer spitzen Radiernadel an der rechten Hand. Er war einer derjenigen, die gerne Insekten am Fensterbrett aufspießte und andere damit ärgerte. Ein roter Fleck entstand, ich bekam Schmerzen im rechten Arm und später immer wiederkehrende „Grippesymptome“.
Patriarchalisch folgerichtig erklärte Dr. Heller, unser Hausarzt, meine Krankheitssymptome als "vor der Regel, während der Regel und nach der Regel" plus Folge der Überbeanspruchung durch die unweibliche Arbeit mit Metall. Ich bekam tatsächlich in dieser Zeit extreme Regelbeschwerden, so stark, daß manchmal der Notarzt kommen mußte, um mich niederzuspritzen. Tabletten erbrach ich vor lauter Schmerzkrämpfen. Meine Zähne bekamen Entzündungsherde, ich verlor einen nach dem anderen. Ich traute mich bald nicht mehr, den Mund frei lachend zu öffnen. Meine Beschwerden seien rein "psychosomatisch", wurde von unserem Hausarzt Dr. Heller behauptet. Ich konnte ihn nicht wechseln, der Krankenschein war in der Kompetenz meines problematischen Stiefvaters und dieser mit dem Arzt verbandelt. Die immer ärger werdenden Schmerzen in Brust, Schulter und Arm wurden händisch vom hochangesehenen Herrn Doktor, der lange Zeit junge Mediziner in Wien ausbildete, an meinem nackten Körper "kontrolliert", jedesmal. Mit detaillierten Ausfratscheleien über mein Beziehungsleben garniert. Ich war mit sechzehn immerhin sogar mit dem Sohn eines Arztkollegen liiert gewesen. Das war’s dann als "Behandlung". Samt Psychopharmaka, die ich bald wegschmiß, weil sie meine körperlichen Beschwerden verschlimmerten. Was die Diagnose "Psycherl" festigte. Meine Mutter empfand meine mit der Zeit verzweifelte Widerständigkeit als Bestätigung einer beginnenden „Verrücktheit“. Der Rest der menschlichen Umwelt stellte mich später, ab etwa 17 Jahren deto immer wieder vorrangig in meinem Verhalten in Frage.
Einmal fragte ein mir wohlgewogener älterer Kunstprofessor in Steyr die anderen MitschülerInnen in der Klasse offen, was sie an mir denn so sehr stören würde? Die Antworten vergesse ich nie, es hieß a) ich würde so "eigenartig" gehen und b) ich röche so unweiblich.
Ich schmökerte Psychowälzer, mir war ja bewußt, daß ich tatsächlich "irgendwie anders" als andere Mädchen war. Suchte nach meinen "Fehlern". Jahrelang. Fand aber immer wieder, daß ich so verrückt gar nicht sein konnte. Im Vergleich mit den vielen Troubles, die andere oft hatten, kam ich mir dann wieder herzlich normal vor.
Jedes Jahr ging es mir körperlich aber schlechter. Entzündungen plagten meinen Körper, immer wieder kehrendes Fieber schwächte mich zusehends. Die Ärzte meinten, ich hätte andauernd Grippe, diese „Diagnose“ wurde ich einfach nicht los. Ich sammelte in der Kunsthandwerkschule in Steyr zum Schluß fast mehr Fehlstunden als Anwesenheitsstunden ein. Es hatten sich sogar soviele Fehlstunden angesammelt, daß ich zur Abschlußprüfung gar nicht hätte antreten dürfen. Weinend verabschiedete ich mich vor der Prüfung von einigen Professoren. Mein Stolz verbot mir, es zu versuchen. Ich gab aber nicht auf. Als Künstlerin brauchte ich Wissen und Talent und Fleiß, keine Prüfungen. Mit 18 schaffte ich es dann in Klagenfurt, eine eigene kleine Werkstatt zu gründen. Als Kunsthandwerkerin. Mit selbst gemachtem Werkzeug. Wenn ich arbeiten konnte, verdiente ich sogar sehr gut. Eine meiner ersten Arbeiten wurde sofort an den damaligen Kärntner Landeshauptmann als Geschenk weitergegeben. Meistens war ich halt leider krank, fiebrig, mit starken Schmerzen und zwangsläufig bettlägerig. Einen Tag Arbeit , zwei Tage hilflos im Bett. Wie sollte ich mich da von „zu Hause“ freistrampeln. Ich lernte aber, meine kostbare Energie sehr gezielt einzusetzen, effizient zu arbeiten und mich heimlich zu schonen, wo ich nur konnte. Mit knapp 19 wurde ich als "freischaffende Metallplastikerin" staatlich anerkannt. Meine Arbeiten waren von mir unbekannten Professoren in Wien als sehr gut eingestuft worden. Stolz. In der damals neugegründeten "Philosophischen Gesellschaft" in der Klagenfurter UNI wurde ich, weil ich „meinen Mund nicht halten konnte“ (lt. Familie), bei der konstituierenden Versammlung als einzige Frau in den Vorstand gewählt, unter lauter Akademikern. Die staunten nicht schlecht, als sie entdeckten, daß ihr Alibifrauchen nicht einmal Matura, geschweige denn ein Studium absolviert hatte. Mein Name stand in der Zeitung, und mein Bezugspersonen schwankten wieder verstärkt hin und her im Bemühen, mich endlich "weiblich" hinzubiegen und andererseits einem gewissen Stolz auf meine "Intelligenz". Der bürgerliche Schwachsinn von wegen "Genie und Wahnsinn" tat das seine, mich rundherum zu bestrafen. Tenor: ich sei ja sooo intelligent, aber leider ist das halt auch sooo nahe am "verrückt sein". Es wurde mir einfach keine Chance gelassen. Egal was, wie ich wo mit wem tat, es war grundfalsch, nur weil andere "es mir zeigen wollten", meine Unterlegenheit als Frau nämlich.
Meine Krankheitssymptome wurden ebenfalls verstärkt als "rein psychisch bedingt" abgetan. Frauen wie mich darf es im Patriarchat einfach nicht geben. Eine immer wiederkehrende Erfahrung in meinem Leben.
Über Winter ging es mir besonders schlecht. Ich lag fast nur mehr im Bett. Fiebernd, mit starken Schmerzen, unfähig, etwas zu arbeiten. Ich hatte einigermaßen vorgesorgt, zahlte "zu Hause" selbstverdientes Geld für Essen und ein kleines Zimmer. Mein Stiefvater wollte mich nach Weihnachten für meine "Faulheit" wieder einmal prügeln. Ich schmiß ihm eine große Vase vor die Füße und drohte ihm brutal retour. Es ging wieder einmal nicht anders. Ich war in Wirklichkeit schwer krank, und das wurde einfach nicht gesehen. Alle starrten bloß auf meine "Andersartigkeit" und geilten sich insgeheim an meiner "Bestrafung" auf. Die Frau, das ewige Opfer.
Nur Marianne, meine Jugendfreundin, und deren Familie half mir in dieser Zeit manchmal wirklich. Meine anderen Verwandten und Bekannten waren von „Vati“ weggebissen worden und hielten sich zu der Zeit noch raus. Ein paar Tage nach dieser Vasengeschichte wurde ich von meinen Eltern nach Graz in die Psychiatrie gebracht. Überfallsartig. Zur ärztlich empfohlenen Untersuchung meines(!) Geisteszustandes, meiner Psyche. Blutsenkung wurde dort natürlich wieder keine gemacht. Geschweige denn etwas anderes im Körper untersucht. Nach fast einem ganzen Tag verschiedenster Tests (NASA, Rohrschach, elendslangen Fragebögen mit sich wiederholenden Inhalten, Bildbeschreibungen etc.) und in Situationen mit verschiedenen TesterInnen (Frau/Mann, Frau alleine, Mann alleine mir gegenüber) wurde uns dann eröffnet, daß ich zwar nicht verrückt, aber voller Haß sei, und außerdem ein Problem mit "männlicher Autorität" habe. Ein Zufall, nein so was. Außerdem sei ich hochintelligent. Auf diesem Faktum wurde geradezu begierig von den Psychoprofis in Graz herumgeritten. Wie später bei Inge, meiner Halbschwester, auf der Baumgartner Klinik in Wien. Ich kam in eine der ersten Gruppentherapien, die es im Süden Österreichs damals gab. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Pakesch, dem Chefpsychiater der Psychiatrie in Graz, einem Geniefreak, der gleichzeitig Chef der "Mensa" (internationaler Genieclub) war. Was ich damals leider nicht wußte. Als mit Abstand Jüngste der PatientInnen dieser Gruppe wurde versucht, mich in das komische Konstrukt dieser künstlich-komplizierten therapeutischen Beziehungen einzubinden. Anfangs bemühte ich mich sehr. Ich hätte, verzweifelt wie ich war, sogar des Teufels Großmutter den nackten und dreckigen Hintern saubergeküßt, nur um eine Chance zu bekommen, meine elendigen Schmerzen, Schwächeanfälle und Ausfallserscheinungen los zu werden. Wegen dieser blöden Gruppentherapie gab ich meine kleine Werkstatt in Klagenfurt auf und ging nach Graz, arbeitete als einfache Graveurin in einer dortigen Firma. Mit immer häufiger auftretenden Problemen bei der Arbeit. Die Hand funktionierte oft nicht und ließ aus. Die "Gruppentherapie" brachte mir nichts, im Gegenteil.
Ich wurde nach den ersten 3 Sitzungen, in denen die altgedienten Mitglieder dem Psychiater zuerst sogar erklärten, ich sei gar nicht psychisch gestört und gehörte nicht hierher, von diesem recht raffiniert in eine Psychofalle laufen gelassen. Der Arzt hatte durch kleine Bemerkungen und körpersprachliche Bewertungen den anderen de facto befohlen, mich zu sanktionieren. Was diese brav erledigten. Über mich verbal herfielen. Mir heftigste Verhaltensvorwürfe machten. Ich wäre nur deswegen krank, weil ich entgegen meiner "Natur als Frau" künstlerisch aktiv geworden wäre, hieß es zum Beispiel. Frauen sollten Kinder kriegen, das sei die "natürliche" Kreativität für unsereins. Es wäre abnormal, sich als Tochter in die Konkurrenz zum Vater zu begeben. Undsoweiterundsofort. Psychologischer Steinzeitschmonzes halt.
Ich saß, schockiert und schluchzend, gegen Ende dieser 2 Stunden da und hätte, sozusagen überfallsartig, therapeutisch aufgebrochen und fertiggemacht, in diesem Zustand dann alleine nach Hause gehen dürfen.
Prof. Dr. Dr. Pakesch hatte sich in mir aber etwas verschätzt. Diese Psychospielchen kannte ich schon längst. Ich hatte immerhin schon Jahre von massiven Infragestellungen meiner Person hinter mir, inklusive verschiedenster Gruppenerfahrungen und jeder Menge Psychoquaqua. Diverse Bücher über dieses Thema hatte ich schon mit 15 durchgearbeitet, ganz zu schweigen von den späteren Jahren. Im Freudianismus war ich von Dr. Wurst als junge Patientin zusätzlich geschult worden.
Mit kleinen Körpersignalen andere bewußt zu beeinflussen war für mich längst eine tägliche Übung. Schon aus Überlebensgründen kannte ich mich da sehr gut aus. Ich wurde stinkwütend auf ihn. Warum inszenierte er ein solches Affentheater? Pardon, liebe echte Affen, Menschentheater muß das wohl heißen. Es war schlicht sein persönliches Patriarchendenken, mit dem die anderen über mich hergefallen waren. Vom Regen der wahnsinnigen Familie in die Traufe der patriarchalischen Psychiatrie. Meine ganze Kraft zusammennehmend, sagte ich ihm daher, immer noch schluchzend, offen den Kampf an. Ich würde ihm die Leitung der Gruppe wegnehmen, und er würde nichts dagegen unternehmen können, denn ich sei stärker als er. Er starrte mich nur mehr an. Ich schätze, das war für ihn ziemlich neu. Eine junge Frau, die offensiv gegen eine männliche Autorität vorging. Genau diese "Autorität" besaß er in meinen Augen aber gar nicht mehr. Er hatte sich selbst gründlich diskreditiert.
Ich brauchte danach nur wenige Gruppensitzungen, um meine Ankündigung wahrzumachen. Wurde sozusagen „die Mutter" der Gruppe, und diese ist auf Grund der Familienprägung der meisten Menschen in unserer Gesellschaft viel stärker im sogenannten kollektiven Unbewußten verankert als das auf das bewußte Denken konzentrierte Sein im männlichen Prinzip. Heute hat die Psychiatrie genug Frauen als weibliche „Projektionsfiguren“, patriarchalisch hochgeschult, zur Verfügung.
Manchmal glaube ich, daß fast der ganze Zirkus um die angebliche "Überlegenheit" des Männlichen nur deswegen von Patriarchenseite aufgeführt und so massiv verteidigt wird, weil die Kraft des sogenannten "Weiblichen" ansonsten zu stark wäre für ihre gesellschaftspolitischen Zukunftsabsichten. Es gab in dieser Gruppe einige recht typische Erfahrungen für mich, die sich später (auch bei anderen beobachtet) wiederholten, aber für meine körperlichen Probleme brachte das Ganze weniger als nichts. Logo. Nach einem Jahr blieb ich weg. Zog aufs Land.

Konnte oft nicht einmal mehr zwanzig Minuten geradeaus gehen vor lauter Schmerzen und Schwäche. Arzt suchte ich keinen mehr auf. Ich nahm die "Diagnose" der "psychosomatischen Beschwerden" längst ebenfalls als gegeben an und versuchte, mir durch gesundes Leben in der Natur, bewußte Ernährung und wenig Streß selbst zu helfen. Nach 5 Jahren Krankheit, inzwischen völlig arbeitsunfähig geworden, wurde ich schwanger. Ich wollte zu irgend etwas noch „gut" sein in meinem Leben. Mein geschwächter Organismus hielt die Herausforderung der beginnenden Schwangerschaft aber nicht mehr aus und brach fast völlig zusammen. Nachbarn informierten meine, von mir längst gemiedene Familie, und Onkel und Tanten brachten mich „heim".
Mein Stiefvater holte "zu Hause" prompt wieder diesen Dr. Heller, seinen Kumpanen im Männerbund. Dessen erste Worte beim Krankenbesuch waren; "na, wie geht’s denn dem Psycherl?" Die gesetzlich vorgeschriebene Schwangerschaftsuntersuchung samt Blutsenkung, der ersten nach 5 Jahren, rettete mir dann das Leben. Meine Blutwerte waren „plötzlich" katastrophal. Ich war 21. Begonnen hatten die Beschwerden nach einer Verletzung an der rechten Hand. Mit 16 Jahren. Vermutlich hatte ich mir damals eine Bakterienvergiftung zugezogen.
Ich kam nach dieser Schwangerschaftsuntersuchung sofort ins Klagenfurter Krankenhaus. Keine Chance für die Schwangerschaft, wurde mir eröffnet. Wahrscheinlich wäre es eine Schwangerschaftsvergiftung. Ich verneinte. Diese Beschwerden hätte ich schon jahrelang, wirklich. Unmöglich, sagten die Ärzte. Ich heulte eine Nacht durch und gab am nächsten Tag die Einwilligung zur „medizinisch indizierten" Abtreibung. Nach ein paar Tagen mit Infusionen und Medikamenten aufgepäppelt kam ich von der „zweiten Medizinischen“ in die Gynäkologie. Mit Fieber, hoher Blutsenkung und Rippenfellentzündung, die mich kaum atmen ließ. Schwerkrank. In der Hand den Befund. In der Gynäkologie wurde ich auf den Gynäkologenstuhl gesetzt und festgeschnallt. Der junge Arzt zwischen meinen Beinen begann schnell, mich zu beschimpfen. Ob ich denn nicht vorher gewußt hätte, daß... Haute mir 2, 3 Spritzen in die Gebärmutter und begann gleich darauf, den Muttermund zu dehnen. Ich keuchte, "aber ich wollte es ja, ich bin wirklich krank." Er schimpfte mich weiter an, sie hätten „die blöden jungen Weiber aus guter Familie schon gefressen, die glauben, sie könnten sich’s richten". Ich hielt die entsetzlichen Schmerzen mit meinem geschwächten Organismus nicht aus, bekam keine Luft mehr und verlor das Gefühl für Körper, Arme, Beine. Sah und hörte nichts mehr um mich herum. War ein konzentriertes Pünktchen in einem flirrenden Tunnel geworden, das auf ein helles Licht am Ende des Tunnels hinflog, eine Art Ausgang, oder Übergang. Dort war Ruhe, Friede, Unendlichkeit. Das, was mein ich noch war, begriff, das war der Tod. Es wäre angenehm gewesen, sich einfach hineinziehen zu lassen. Weg von diesen Wahnsinnigen, die einen nur Schmerzen und Frust zufügen als junge Frau. Aber irgend etwas sagte mir: nix da! Du hast noch was zu erledigen in diesem Leben, auf dieser Welt. Das darf einfach noch nicht alles gewesen sein. Deine Erfahrungen darfst du nicht umsonst gemacht haben. Ich zwang mich in den Schmerz zurück, der auch das Leben war. Als ich wieder zu mir kam, war hektische Aufregung um mich herum. Ein anderer Haarschopf zwischen meinen Beinen. Mein Körper wurde massiert, mir wurden Infusionen gegeben.
Später hörte ich von mehreren Seiten die „Entschuldigung", ich hätte halt ein Riesenpech gehabt. Die Ärzte im Klagenfurter Krankenhaus würden solche medizinisch bedingten Abtreibungen oft sogar besonders schmerzhaft machen, um jungen Frauen aus guter Familie (mit getürkten Indikationen) diese abzugewöhnen. Ich solle Verständnis haben für diese Vorgangsweise! Die politische Diskussion um die gesetzlich erlaubte Fristenregelung war gerade im vollen Gang. Mein Oberarzt auf der 2. Med. war angeblich ein Sozialist, diese für die Fristenregelung, die Gynäkologie aber fest in konservativer Hand, also dagegen. Mein junges Leben war in brutalste Mühlen von Männerinteressen (zur Frauenbewirtschaftung) gekommen und dabei fast zerrieben worden.
Das Krankheitsbild besserte sich nicht nach dieser katastrophalen Erfahrung. Es war nicht die Schwangerschaft schuld gewesen. Eine hektische Suche in meinem Körper begann erneut. Durch die Jahre hindurch hatte sich ein großes Geschwür tief in meine rechte Seite eingefressen und fiel nur manchmal in die Achselhöhle vor. Eines Morgens im Krankenhaus spürte ich dieses "Packl" wieder einmal und zeigte es schnell dem Arzt Dr. W ( Dr. Hans Wieltschnig). Die 2. Operation wurde vorbereitet. Lymphdrüsenextraktion. Sicherheitshalber wurde ich dem Operateur diesmal vorgestellt, so daß ich ihn kannte. Das war gut so. Wieder wurde ich aufgepäppelt. Der Operationstermin festgelegt. Der behandelnde Arzt Dr. Wieltschnig (II. Med. Abteilung des LKH Klagenfurt). hatte eines Tages Turnusdienstfrei. Sofort wurde ich vor dem ursprünglichen Termin zur Operation geholt. Lag schon auf dem Tisch. Die örtliche Betäubung wurde vorbereitet. Ich fragte nach dem mir bekannten Chirurgen. Der war gar nicht anwesend! Wieder hätte ich von irgendeinem jungen unerfahrenen Arzt operiert werden sollen, der nicht einmal wußte, daß mein Fall gar keine „einfache Lymphdrüsenextraktion" darstellte. Ich schrie die Typen an, stand mühsam auf und ging mitten im Winter zurück in meine Abteilung in einem anderen Gebäude. Tanten und Onkeln schalteten daraufhin auf scharf und kontrollierten von da an täglich, was mit mir geschehen sollte. Danke, meine Lieben. Ihr habt mitgeholfen, mir das Leben zu retten.
Die später wie ursprünglich geplant durchgeführte Operation in meiner Achselhöhle förderte ein ca. 7 dkg großes altes Geschwür hervor. Eitrig zerfallend. Entlang der Nervenbahnen meines rechten Armes waren Eiterschäden gewesen. Und immer, wenn das Geschwür, etwa bei größerer körperlicher Aktivität mit der Arbeitshand, viel Eiter abgegeben hatte, war eine Überlastung (durch Sepsis?) eingetreten. Von wegen „Faulheit“, „Konkurrenz zum Stiefvater“ oder „weibliche Unfähigkeit“, mit Metall zu arbeiten. Die Operation dauerte den halben Vormittag. Das Gewebe wurde danach von irgendjemandem aus dem Krankenhauspersonal „aus Versehen" weggeschmissen. Es war daher keine histologische Untersuchung möglich, also auch keine definitive Diagnose. Und natürlich auch keine gezielte Nachbehandlung. Am Tag nach der Operation stand das Personal plötzlich mit traurigen Augen um mein Krankenbett herum. Auf Grund der Optik des Geschwürs war die Verdachtsdiagnose auf irgendeinen Lymphdrüsenkrebs gestellt worden. Mir wurde das „natürlich" nicht gesagt, auch nicht meiner Mutter, die völlig fertig war vor lauter schlechtem Gewissen und Angst um mich, sondern meinem Stiefvater. Dessen Männerkumpan Dr. Heller bestand darauf, daß ich nach diesen zwei Operationen zusätzlich psychiatrisch untersucht werden müsse. Er wollte seine „Diagnose" der „halbverrückten Psychosomatikerin", die sich die Schmerzen und Ausfallserscheinungen jahrelang nur eingebildet habe, wohl noch irgendwie rechtfertigen. Das halbe Personal stand Spalier, als ich von zwei starken Wärtern zum Termin in die Psychiatrie abgeholt wurde. Sie befürchteten wohl, ich würde durchdrehen, mich körperlich wehren oder sonst so etwas. Ich schmunzelte nur und kam, mit den Männern schäkernd, freiwillig mit. Vor rein geistig - psychischen Auseinandersetzungen habe ich mich noch selten wirklich gefürchtet. Der junge Psychiater war prompt bald recht hilflos in der Interaktion mit mir und blies das ursprünglich vorgesehene zweite Treffen später ab. Seine Diagnosen, mich betreffend, wurden mir aber nicht gesagt. Wie üblich in Österreich. Auch heute noch. Die Spezialisten gaben mir nach der Operation angeblich nur mehr ein paar Monate. Ich wußte aber innerlich, daß sie sich jetzt anders herum genau so irrten wie die Jahre vorher. Ich würde noch wesentlich länger leben. Es war noch viel zu erledigen für mich in diesem Leben. Außerdem war ich war als eine der geistig bissigsten Radikalemanzen „wiedergeboren" worden, die sich dieses frauenfeindliche System nur wünschen konnte. Und ich hatte voll auf Überlebenskampf geschalten. Die nächsten Monate pilgerte fast die ganze Familie mit mir zu Dr. Jagerhofer zur Nachbehandlung, weit außerhalb der Reichweite der Klagenfurter Ärztemafia mit ihren lebensbedrohlichen Zufällen. Seit dieser Zeit kommt, medizinisch unerklärlich, grünbraune Milch aus meinen Brüsten. Meine erlernte Berufsausübung ist mir heute noch unmöglich, mein rechter Arm läßt sich nur kurzzeitig belasten. Durch die „Nichtdiagnose“ habe ich keinerlei Anspruch auf irgendeine Art von staatlicher Zahlung wegen „Berufsunfähigkeit“. Meine Gesundheit ist teilweise zerstört, Entzündungen plagen meinen Körper, meine körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Jahrelang konnte mein Organismus keine Schwangerschaft aufrechterhalten. Erst nach dem ersten gründlichen Heilfasten bekam ich trotz Problemen mit 30 Jahren meinen Sohn Bernhard Merlin.
Ich kann übrigens heute noch nicht richtig pfeifen. Aber sonst habe ich mir mit der Zeit eine ganze Menge „männlicher" Verhaltensweisen angeeignet.
So beschreibe ich im Buch uA einen der früheren Mordanschläge auf mich (Klagenfurter Krankenhaus, Jänner 1975) innert der damaligen Kärntner-Ärzteschaft sehr detailliert. Unwissend, dass der Haupttäter (auch) mein eigener Kinderarzt und *sozialer Förderer Univ. Prof. Dr. Franz Wurst war! Damals sagte einer der wirklich helfenden, jüngeren Ärzte auf der 2. Internen (OA Dr Wieltschnig) dann sinngemäss; * es sei schon interessant, wie häufig solche Krankheitsbilder ( Lymphdrüsenkrebs uÄ) bei den früheren Patienten eines gewissen Kärntner Arztes vorkämen..
Aber er sagte den Namen von Franz Wurst nicht ! So dachte ich, er meint unseren Familienarzt Dr. Gottfried Heller (der sich deto ungut gezeigt hatte).
Wenn meine (durchaus tlw einflussreichere) Grossfamilie das Alles schon damals begriffen hätte…, vielleicht wäre hunderten Kindern danach das Schicksal erspart geblieben, von Franz Wurst & Co geschädigt zu werden.
DIE MENSCHIN - Brigitte Lunzer-Rieder - info@diemenschin.at