Wir lernten uns Ende September 1987 in Wien kennen. Ich versuchte eine Kennenlernannouce im Falter zu schreiben. Äußerst ehrlich, daher wurde erst meine dritte Version akzeptiert. Brigitte sprach davon, dass diese sehr unüblich war, mit dem, was drinnstand und mit dem was nicht drinnstand (aber meist üblich ist). Ich wollte natürlich auch eine ausführliche Antwort. Naja, ich bekam einen Brief mit den Worten "ruf an" und ihrer Telefonnummer. Sie sprach davon, dass ihre feministische Sprachanalyse das Ergebnis brachte, der muss interessant sein. Sie empfahl auch anderen Frauen die Bücher von Senta Trömel-Plötz.

War verabredeten uns im Wortner. 55 Minuten verspätet rauschte sie mit ihrem Kleinen in ihrem feministischen Kampfumhang herein, Bernhard sei urplötzlich krank geworden, und dies bedeutete, unser Date ging beim praktischen Arzt weiter. Der Kleine hatte eh nichts, war wohl nervöse, weil bei der Mamma eine besondere Situation war.
Ich war sehr ehrlich und schilderte mich, meine Erwartungen, hatte auch ein kleines Geschenk für Bernhard dabei. Die Beziehung begann.
Die Sozialversicherung half weiter mit beim Beziehungsaufbau. Ich wohnte mit einem weiteren Studenten in Untermiete. Der Vermieter dürfte die Sozialversicherung seiner Bus-Chauffeure längere Zeit nicht bezahlt haben, daher kam der Exikutor und wollte seinen "Kuckuck" in unserer Mietwohnung kleben.
Ich flüchtete in Brigittes Wohnung, was die Beziehung natürlich intensivierte. Nebenbei transportierten wir den Inhalt der Tiefkühltruhe - war fanden, wegen unserer Beziehung mussten wir ein halbes Schwein vom St. Marxer Schlachtmarkt kaufen, bei den Chinesen ist ein Schwein im Haus das Symbol für Glück, und Brigitte zeigte mir stolz, dass sie die Fähigkeiten hat, das Schwein zu zerlegen, ich war beeindruckt. Nun dieser Inhalt der Tiefkühltruhe transportierten wir dann mit der 18er-Straßenbahn, Schublade für Schublade von der Mietwohnung ins Reich von Brigitte in der Weyringergasse.
Wir hatten eine sehr intensive Zeit.

1991 heirateten wir. Als die Standesamtsbeamtin ausholte mit der Frage: "Wollen Sie Horst Lunzer....kam sofort ein JA. bevor noch der weitere Teil dieser berühmten Sätze gesprochen werden konnte.
DIE MENSCHIN - Brigitte Lunzer-Rieder - info@diemenschin.at