Briefbombenzufälle
In Österreich wird am 1. Oktober 1997 (einer?) der Briefbombenattentäter gefaßt, als er zwei Frauen belästigt.
Dieser beglückte häufig Frauen mit seinen bombigen Geschenken. Er hatte große Probleme im Umgang mit Frauen, heißt es nun.
Aha, also sind demnächst wieder einmal medial "wir Frauen" vielleicht mitschuld am Desaster.
Als Berufsemanze möcht` ich doch glatt wetten, daß...
Die Mutter des Fuchses, der ganz Österreich jahrelang in derselben Angst hielt, die ihn selbst plagt(e), kommt in nervenärztliche Behandlung.
Sie hatte zwar einen hochbegabten Sohn aufgezogen, konnte diesem aber nicht das nötige Kleingeld für seine berufliche Weiterentwicklung geben.
Der Mann entwickelte seine Energie und enormen Leistungswillen mit der Zeit frustriert ins Destruktive hin, verkehrte ursprünglich vorhandenes soziales Engagement ins Gegenteil.
Wurde Außenseiter. Warum wirklich? Holte sich so mit gezielter, beinahe genialer Gewaltanwendung brutal dominant letztendlich die soziale Bedeutung, die ihm im Konstruktiven verwehrt geblieben war.
Ich, die "Bribombe"...
Sehr eigenartigerweise hat mein Leben auch hier wieder irgendwie Querverbindungen zu diesen Geschehnissen.
Nach dem katastrophalen Scheitern meiner jüngeren Halbschwester Inge Rieder in Wien (Selbstmord am 13. August 1991) war mir mein damaliger bürgerlicher Name (Brigitte Rieder) nur mehr verleidet gewesen.
Frauen haben, nebenbei bemerkt, im Patriarchat ohnehin kaum eine eigene Namensidentität.
Ich suchte und fand ein Künstlerpseudonym; "Bri BornBe".
Damit wollte ich in etwa ausdrücken; "Born (to) be", also: "geboren, um zu sein".
Als Signatur verwendet, lasen viele im phonetischen Sprachgebrauch aber prompt ; "Bribombe" oder auch Briefbombe, und ich wurde danach mehrfach gefragt, was ich denn damit meinen würde.
In den Jahren um 1990 beschäftigte ich mich künstlerisch vorrangig mit Aktzeichnen.
Einige meiner Arbeiten setzten sich auch mit dem Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen islamischen und westlichen Ländern auseinander. Der Golfkrieg war gerade aufgeflammt.
Ich hatte gezeichnet. Bilder mit Titeln wie "Denk an den Krieg" und "weißer Mann am Kriegsanfang" entstanden und wurden ein Jahr darauf im Café Wortner (im vierten Wiener Bezirk) ausgestellt. Recht erfolgreich sogar.
Später gab es diese Briefbomben und nach Jahren gab es einen Artikel in der Zeitschrift News über die Beziehungen des (der) Briefbombenattentäter/s zum vierten Bezirk. Ebendort, wo vorher meine kleine Ausstellung gewesen war. Mir wurde anders. Hatte meine durchaus vorhandene künstlerische Sensitivität bloß den irgendwie herumwabbernden "Zeitgeist" eingefangen?
Hatte ich im Café Wortner die Gedanken Anderer aufgefangen? Ich war ja oft dort gewesen.
Oder kannte ich, Göttin bewahre, jemanden aus dem Attentäterkreis flüchtig ? Mein oberflächlicher Bekanntenkreis war damals sehr groß gewesen, für eine Künstlerin und politisch aktive Frau (Ex-Bezirksrätin) völlig normal...
Ich rätselte eine Zeitlang vergebens und hatte wenigstens eine Begründung für eine später erfolgte, mysteriöse polizeiliche Überprüfung im Polizeipräsidium meiner Person gefunden, ohne Anwalt, inoffiziell, stundenlang. Ein Dossier mit meinem Namen daneben liegend, mit dem Vermerk "geheim" gekennzeichnet. Und dem Ergebnis, daß die Beamten sich sagten; "die weiß von gar nix".... und mich einigermaßen verwirrt wieder nach Hause schickten.
Nun, wie auch immer, diesen Fuchs kenne ich nicht.
Und persönlich hinterlege ich allerhöchstens geistige Bömbchen wider das jetzige Frauen unterdrückende Unrechtssystem. Sozusagen gewaltfreie Geistesgranaterln. Allertiefstes Emanzenehrenwort. Rein geistige Bomben wirken ohnehin viel nachhaltiger. Sie merken es vielleicht selbst, wenn sie weiterlesen...
DIE MENSCHIN - Brigitte Lunzer-Rieder - info@diemenschin.at