Das erste Frauenprogramm

 

Im Jahr nach meiner WUK-Zeit ging ich in die Politik. In die erste Grün-alternative Gruppierung Österreichs, der ALÖ. Beziehungsweise ich wurde „geholt”, von Maria Hofstetter, einer sehr guten Feministin mit eher christlich geprägter Weltanschauung. Zusammen mit anderen er/siearbeiteten wir recht viel für die Frauen in der Politik insgesamt. 50%-Quoten, verpflichtende Mitarbeit der Männer im Haushalt, rechtliche Gleichstellung homosexueller Beziehungen, frauengerechte Sprachregelungen, Basisgehalt und, und, und, wurden von unserer Frauengruppe aus als relevante Themen in die überraschte Öffentlichkeit gebracht. Alles Ideen, die in den letzten Jahren in der Frauenpolitik bestimmend wirkten.


Bei der Gründung der ALÖ in Graz half auch die Deutsche Petra Kelly mit. Insbesondere der Trotzkist Ali Gronner versuchte daraufhin in der ALÖ die Errungenschaften wieder zu zerstören.


Revolutionäre Frauenstatuten in der ersten Grün-alternativen Partei

 

Bei der grün-alternativen Parteigründung in Graz (1982) schlugen wir zwei Frauen in der Statutendiskussion ohne Vorwarnung zu. Ich entwickelte spontan Statutenvorschläge, Maria machte mit, und wir baten anwesende Grazer Frauenrechtlerinnen in einer kleinen Sitzung, diese durchzusehen und mitzutragen. Es funktionierte. Mit einfacher Mehrheit auf dem absolut männerdominierten Plenum (ca. 120 Männer zu 20 Frauen) gingen unsere Forderungen durch. Mit taktischer Unterstützung von Luise Gubitzer als Diskussionsleiterin und der inzwischen ermordeten Petra Kelly, die als deutsche „Geburtshelferin” der österreichischen Grünpartei fungierte.

Maria hielt ein fulminantes und leidenschaftliches Plädoyer für Frauenrechte in der heftigen Diskussion, das die Stimmenmehrheit in der Abstimmung brachte. Inhaltlich schrieben diese Statuten schlicht und einfach die Dominanz der Frauen für die gesamte neugegründete grünalternative Partei Österreichs fest. Wie? Nun, wir brachten folgende Forderungen ein: Die Frauen der ALÖ sind berechtigt, mindestens zweimal jährlich einen Frauenkongreß abzuhalten, auf dem von ausschließlich weiblichen Delegiertinnen in allen Belangen, die Frauen betreffen, mit zwei Drittel Mehrheit für alle in der Organisation bindende Beschlüsse gefaßt werden können. Inklusive 50%-Quotenregelung in allen Gremien. Österreichweit. Das war` s dann. 

Die anwesenden Männer waren teilweise lieb. Wirklich nett. Aus den Diskussionsbeiträgen ging vielfach hervor, daß „in Gottes Namen” den Frauen in ihren eigenen Belangen halt wirklich das Recht zugestanden werden sollte, selbst zu entscheiden. Meine Güte, was sind Frauenbelange denn schon. Kinder kriegen. Gesund kochen. Vielleicht politisch motivierte Nähkränzchen halt. Wir jubelten, und Maria und ich gingen, zurück in Wien, sofort an` s weitere politische Werk. 50%-Quoten, verpflichtende Mithilfe von Männern bei der Hausarbeit, Gleichstellung homosexueller Beziehungsformen und detaillierte Forderungen nach Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen wurden von uns ruck zuck durchgebracht. Österreichweit. Für alle ALÖ-Mitglieder und Mitklitas verbindlich. Österreichweit, versteht sich. Siehe Statuten...

Und die Forderung nach einem Basisgehalt samt begleitenden Umstrukturierungen in Wirtschaft und Politik wurden von mir ebenfalls eingebracht. Sind ja schließlich und endlich alles Belange, die Frauen betreffen, oder? Gewisse Leute tobten schon damals... Wir waren meines bescheidenen Wissens nach österreichweit die ersten Frauen , die diese sehr konkreten frauenpolitischen Forderungen formulierten und - mit Hilfe selbstgeschaffener politischer Strukturen, die sehr bewußt schon als mögliche organisatorische Vorstufe zu einer eigenen Frauenpartei konzipiert waren - deto österreichweit politisch zu realisieren begannen. Also wenn sie immer schon wissen wollten, woher die diversen Parteidamen ihre Ideen beziehen. Es sind meistens Ideen von so offiziell "halbverrückten" Frauen wie mir. Das war, Moment mal, 1982.

Politisch hochgeschulte Leute bezeichneten diese Statutengeschichte mir gegenüber als eine politische Meisterleistung. Inoffiziell. Nun ja, oft sogar die gleichen Personen brachten mich später öffentlich mit nachhaltigen, fiesen und massiven Diskreditierungen nach jahrelangen harten Kämpfen um meine kleine politische Stellung in Wien.

 







DIE MENSCHIN - Brigitte Lunzer-Rieder -  info@diemenschin.at